Die Nürnberger Prozesse – ein Stück Rechtsgeschichte

Die Entnazifizierung durch Urteile

Die Nürnberger Prozesse sind einer der wesentlichsten Aspekte der deutschen Rechtsgeschichte. Hier wurde innerhalb von mehreren Jahren die kompletten Verbrechen der deutschen Kriegsmaschinerie aufgearbeitet und in diversen Urteilen abgehandelt.

Welch ein logistischer Aufwand damit verbunden war ist heute kaum noch zu begreifen. Die Siegermächte mussten sich darüber einig werden, welche Macht in welcher Gewichtung die Richterbank besetzt. Welche Juristen sind geeignet einen solchen spekatakulären Prozess zu bewältigen. Wie sind die Sprachprbleme zu überwinden. Wie sieht die Verteidigung der deutschen Angeklagten aus.

Beweisfindung in Mitten der Kriegswirren

Europa lag nach dem zweiten Weltkrieg in Scherben. Deutschland und die anliegenden Staaten waren teilweise komplett zerstört. Millionen von Menschen waren entweder gestorben oder auf der Flucht. Hinzu kam, dass unzählige Menschen noch in Kriegsgefangenschaft waren. Zudem waren einige der schuldigsten Kriegsverbrecher Nazi Deutschlands entweder gefallen oder untergetaucht. Nicht umsonst werden heute immernoch Prozesse gegen Naziverbrecher geführt, welche nach und nach festgenommen werden.

Es gibt auch immernoch eine spezielle Staatanwaltschaft, welche darauf spezialisiert ist Nazi Größen aufzuspüren und anzuklagen. Diese hat immer wieder erfolge, obwohl man klar sagen muss, dass es kaum noch Verbrecher gibt, die nach all den Jahren noch am Leben sind und auch noch prozessfähig.

Wie wurden Beweise gewonnen

Im Endstadium des Krieges wurden irrsinnig viele Dokumente vernichtet, da abzusehen war, dass der Krieg verloren geht. Nur dort, wo die Eroberung schnell genug vor sich ging, konnten wichtige Beweise gesichert werden, welche dann in die Prozesse eingeführt wurden. Wichtigere Beweismittel waren jedoch Zeugen.

Hier stellte sich das Problem, dass der Vernichtungskrieg auch das Leben von unzähligen Potenziellen Zeugen vernichtet hat. Gerade gegen Ende des Krieges kam es auch zu systematischen Hinrichtungen, um spätere Gerichtsverfahren aktiv zu sabotieren. Auch stellte sich die Schwierigkeit, dass viele Deutsche die Nürnberger Prozesse als Siegerjustiz verabscheuten und demnach nicht mit dem Gerichtsverfahren in Verbindung gebracht werden wollten. Sie verweigerten oft die Aussage oder reklamierten sich nicht erinnern zu können.

Eine große Rolle spielten für die Beweisgewinnung auch Historiker, welche als Sachverständige geladen wurden. Diese forschten in unzähligen Archiven in ganz Europa, um diese Erkenntnisse dann dem Gericht vortragen zu können.

Was war der Zweck der Nürnberger Prozesse?

Sinn und Zweck der Prozesse war zweierlei. Einerseits sollten natürlich diejenigen, welche zu der Vernichtung von Unzähligen Menschenleben beigetragen haben, zur Verantwortung gezogen werden. Es sollte ein Mahnmal für künftige Generationen geschaffen werden, entsprechend der kriminologischen Erkenntnis der Generalprävention. Nie mehr sollte sich so eine Tragödie auf der Welt entfalten können.

Andererseits sollte auch das Deutsche Volk und auch die Welt über das wirkliche Ausmaß der deutschen Kriegsführung unterrichtet werden. Man muss sich vor Augen führen, dass in Deutschland über Jahrzehnte unter Reichspropagandaminister Göbbels eine Art der Gehirnwäsche durch Propaganda stattfand. Vielen Menschen, welche an der Heimatfront lange Zeit ein recht beschauliches Leben führen konnten, war nicht bewusst, was für schreckliche Verbrechen begangen wurden. Hier sollten die Richter ein anderes Bild zeichnen, indem diese Verbrechen in fairen und objektiven Prozessen aufgearbeitet werden.

Auch Todesurteile wurden gefällt und vollstreckt

Zur damaligen Zeit waren auch Todesurteile noch ein probates Mittel. Neben vielen Freiheitsstrafen wurden auch einige Todesstrafen gerade für Nazigrößen verhängt. Viele dieser Urteile wurden anschließend auch vollstreckt.

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